11.05.2008 – @595 (15:17)
Der Bundesaußenminister und auch der Bundespräsident haben leider keine Zeit sich mit dem Dalai Lama zu treffen. Glaubt das jemand? Vermutlich nicht. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass nach dem Treffen der Bundeskanzlerin mit dem Dalai Lama die Lobbyisten zur Hochform aufliefen, um künftig solche Brüskierung unserer chinesichen Freunde zu verhindern. Offenbar waren sie erfolgreich. Natürlich verfolgt auch der Dalai Lama politische Interessen, wenn er sich mit deutschen Politikern treffen will. Er will internationalen Rückhalt für die Interessen Tibets, was man ihm wohl kaum verdenken kann. Und außerdem sind wir doch alle gegen die chinesische Unterdrückung der Menschenrechte, oder gilt das nur solang wie es nichts kostet? Was hierzulande gern vergessen wird, die Chinesen sind nicht nur ein bedeutender Handelspartner Deutschlands, sondern Deutschland ist auch ein wichtiger Handelspartner Chinas, auf den das Land nicht ohne weiteres verzichten kann. Aber statt wie die Bundeskanzlerin selbstbewußt aufzutreten, machen wir jetzt lieber wieder den Kotau, damit in Peking keiner mit uns schimpft. Da lobe ich mir doch die Franzosen, die die Chinesen gern deutlich darauf hinweisen, dass man sich von niemandem reinreden läßt. Für diese Haltung scheint es in Frankreich einen breiten Konsens zu geben, auch wenn der Absatz französischer Waren in China zurückgehen sollte. Wirklich passieren wird das übrgens nicht, denn was wäre die Upperclass Chinesin ohne französische Klamotten, Parfüm oder Champagner.
Tags: alltag, Politik
Posted in Das Leben als solches by Holger Ehrlich | 1 Comment »